Ehningen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850

Im Jahre 1820 ließ König Wilhelm I. in Stuttgart das "Königliche Topographische Bureau" gründen. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten erstellten die Mitarbeiter dieser Einrichtung genaue Beschreibungen aller württembergischen Verwaltungsbezirke (Oberämter) und ihrer Gemeinden. Diese Oberamtsbeschreibungen beinhalten lesenswerte, aufschlußreiche Informationen zu den Gemeinden, den örtlichen Verhältnissen, den Bauwerken, aber auch zur wirtschaftlichen Situation der Einwohner, zu Natur- und Wtterbeobachtungen oder auch statistische Angaben. Sie sind daher eine wichtige Quelle für die örtliche Geschichtsforschung.

Im Jahre 1850 erschien in dieser Reihe die "Beschreibung des Oberamts Böblingen", in der auch auf knapp 14 Seiten vielfältige Informationen über Ehningen enthalten sind. Im Folgenden werden - mit freundlicher Genehmigung des Bissinger-Verlags Magstadt - Auszüge aus dieser Beschreibung in gekürzter Form vorgestellt.

Die Beschreibung beginnt mit einem allgemeinen Überblick:

    Pfarrdorf mit Marktrecht und 1607 Einwohnern, worunter drei nach Dätzingen eingepfarrte Katholiken, liegt 1 1/4 Stunde    südwestlich von der Oberamtsstadt an der Landstraße, welche mitten durch den Ort von Böblingen nach Herrenberg    führt. Das große, mit reinlichen, gut gekandelten Straßen versehene Dorf hat ...

    Die Ansicht des .... Orts, der sich übrigens durch seine zum Theil stattlichen Häuser und seine Ausdehnung vor anderen    Orten auszeichnet, ist etwas monoton.

    Die Luft ist wegen der frerien, ungeschützten Lage beinahe das ganze Jahr hindurch etwas scharf; die Sommernächte sind    meist kühl und Frühlingsfröste häufig. Hagelschlag kam in den letzten 40 Jahren nur zweimal vor; ...

    Zwei gut erhaltene Schulgebäude mit Lehrerwohnungen, wovon das eine 1824, das andere 1843 erbaut wurden, stehen    ebenfalls ganz in der Nähe der Kirche. An den Schulen unterrichten 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Lehrgehilfe.

    Beinahe in der Mitte des Dorfes steht das 1844 mit einem Aufwand von 13,000 fl. im modernen Rundbogenstyl    geschmackvoll erbaute Rathhaus mit Thürmchen und Balkon. Das alte Rathaus wurde niedergerissen und dadurch die    Hauptstrasse namhaft erweitert und verschönert.

    Die kräftigen mitunter groß gewachsenen Einwohner leben mäßig und eingezogen. Sie sind fleißig, stolz, wißbegierig,    nachdenkend und lesen viel; ein besonderer Vorzug ist ihre Reinlichkeit in den Häusern. Ihre Vermöhensumstände sind in    Vergleichung mit anderen Orten vortheilhaft, dabei sind sie gute Zähler ... Die Hauptnahrungsquellen bestehen in Feldbau    und Viehzucht, beides wird mit Umsicht und Fleiß betrieben; zweckmäßige landwirthschaftliche Neuerungen ... haben    längst Eingang gefunden. ... Im System der Dreifelderwirthschaft werden die gewöhnlichen Cerealien, besonders viel    Dinkel und Hafer gebaut. ... Die Brache wird mit Kartoffeln, Kraut, Bodenkohlraben, Hanf und Futterkräutern    eingepflanzt.

    ... Viehzucht ... ausgezeichnet und von namhafter Ausdehnung. Eine gute Landrace mit Simmenthaler Kreuzung wird    gezüchtet und mit Vieh, besonders mit gemästetem, ein bedeutender Handel getrieben.

    Es bestehen 5 Schildwirthschaften, worunter 4 mit Bierbrauerei.

    Der Ort hat jährlich 2 Märkte, an denen besonders lebhaft mit Vieh gehandelt wird; auch besteht seit 1842 eine     Privatleihkasse.

Die Beschreibung enthält weiterhin umfangreiche Darstellungen zur Geschichte des Ortes, zu den Burgen und zur Kirche und endet mit einer ähnlich aufgebauten Beschreibung des Ortsteils Mauren.